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History

In fast 18 Jahren Bandgeschichte gäbe es eine Menge zu erzählen, was definitiv starken Unterhaltungswert hätte aber leider nicht hier her gehört.  Trotzdem began alles im Spätsommer 1992. Ich war mal wieder alleine im Proberaum. Damals übte ich täglich etwa 4 Stunden. Mein Proberaum befand sich zu dieser Zeit direkt an der Fähre Blumenthal/Bremen. Eine alte Sandstrahlerei diente ca. 8-9 Bands als Zufluchtsort vor der Realität.

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Um etwas Luft zu schnappen ging ich den Innenhof des Geländes. Direkt neben dem Proberaumeingang befanden sich die Toiletten, zwischen der Toiletteneingangstür und der Proberaumtür war ein Zigarettenautomat angebracht.

Eine kleine hagere Gestalt, mit Haaren bis zum Arsch, einer schwarzen Lederjacke und viel zu großen Cowboystiefeln machte sich gerade am Automaten zu schaffen. Die Gestalt richtete seine Aufmerksamkeit auf mich und meinte, ich hätte ihm schon sehr oft mit meinem Doubelbasstraining bei der täglichen Verdauung geholfen. So lernte ich Marco Mohtadi kennen, am Zigaretteautomaten neben den Scheißhäusern unseres späteren gemeinsamen Proberaums.

Einige Wochen später hatte Marco mit seiner Band eine Gig. Am Hauptgebäude, wo sich die Mehrzahl der  Proberäume befand, schloß sich eine verhältnismäßig große Halle an, dort sollte der Auftritt über die Bühne gehen. Ein paar hundert Leute waren gekommen. Die Band befand sich ca. 1 Stunde vor Auftrittsbeginn zum Aufwärmen im eignen Proberaum. Ich war ebenfalls dabei und beobachtete die hoch konzentrierten Vorbereitungen. Marco war mit mindestens zwei Frauen beschäftigt. Ich war völlig erstaunt, der Mann konnte ganze zusammenhängende Sätze sprechen … wenn er wollte. Überall im Raum wimmelte es von Leuten, die offensichtlich der enormen Konzentration dienten. Die Band war damit beschäftigt, in der noch verbleibenden Zeit möglichst große Mengen an Whiskey in sich rein zu schütten. Der damalige Basser zauberte auf Marcos anraten, unter seiner Anlage 100 DM hervor (Übungsraummiete), um diese spontan und sinnvoll in die Feier zu investieren.

Marco war auf der Bühne nicht anzumerken, daß er eigentlich sternhagel voll war. Er verfügt noch heute über eine erstaunliche Konstitution im Zusammenhang mit Alkohol. Sprich, die wichtigste Grundvoraussetzung, um als Musiker  überhaupt bestehen zu können. Ich hatte genug gesehen. Ein paar Tage später saß ich in einer aus hygienischer Sicht gesehen, nicht ganz einwandfreien Küche und verhandelte mit Marco darüber, unsere Band beizutreten. Um ganz ehrlich zu sein, eine solche Küche hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Wenn ich gelegentlich an Marcos damaliger Wohnung vorbei komme, frage ich mich , ob es den Nachmietern  jemals gelungen ist,  die Küche überhaupt wieder in den Griff zu kriegen………….und dann hoppelte auch noch fröhlich ein Kaninchen durch das Chaos…….bizzare.

Es war im Frühjahr 1993, als die erste Sleep Dirt Besetzung geboren wurde. Marco Mohtadi (Gitarre), Frank Konditt (Drums), André Jaschik (Bass), er kam ebenso wie Marcus Hintner (Vocals), über Jens Kramer (Gitarre) in die Band. Jens hatte ich über einen Freund empfohlen bekommen.

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Der Proberaumvermieter war ein neurotischer, paranoider, schizophrener, von autistischen Zügen gekennzeichneter einsamer Spinner, der ständig auf LSD war. Zudem war er dermassen politisch rechts orientiert, auch wenn er dies so niemals zugegeben hätte,  dass ihm die NPD vermutlich wie eine Tierschutzorganisation vorkam. Er untersagte Marco das Gelände zu betreten, aus Gründen die hier nicht weiter genannt sein sollen. Wir ignorierten dies, wie alles andere auch, doch nach nur wenigen Monaten setzte er uns auf die Strasse und wir hatten doch alle kein Zuhause. Eine Lösung war schnell gefunden. Jens lebte noch bei seinen Eltern, diese hatten ein eigenes Haus und etwas sehr außergewöhnliches, nämlich eine Garage.

Ja, genau eine Garage, unter der sich ein unterirdischer Raum befand. Die Sache hatte nur einen Hacken, der Raum wurde beim Bau der Garage mit Sand zugeschüttet und war von außen nicht zugänglich.

Den kompletten Sommer 94 verbrachten wir damit, dieses Problem für uns zum Nutzen zu machen. DER NORMALE NICHT SAND AUS EINER UNTERIRDISCHEN GARAGE  HOLER,  glaubt ja gar nicht wie viel von diesen beschissenen Zeug tatsächlich  in eine durchschnittlich große deutsche Mercedes Garage passt.  Am Ende hatten wir einen unterirdischen Proberaum, mehrere Tonnen Sand in den Garten gekippt und jeder eine handfeste Handwerkerneurose. Es gab im Garten des Hauses Kramer eine fette Einweihungsparty, bei der wir den ersten Sleep Dirt Gig spielten.

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Zwei Monate später hatte es sich mit Jens erledigt, wir passten einfach nicht zusammen. Warum war uns diese Erkenntnis erst jetzt gekommen?  Mann stelle sich einmal vor, König Cheops hätte sich seine Pyramide bauen lassen, um dann festzustellen, dass er sie eigentlich gar nicht benötigte. Ich weiß der Vergleich hingt, gefällt mir aber trotzdem gut.

300 DM pro Mann sollten wir am Ende abdrücken, für einen Proberaum, den wir mitgebaut hatten und den Jens nun mit seiner neuen Band nutzen konnte. Um ohne Probleme an unser Equipment zu kommen zahlte Marco als einziger tatsächlich 300 DM. In einem ca. 80 dB lauten Gespräch zwischen Jens und uns, setzten wir uns durch, zahlten nicht weiter und nahmen einen Satz Mikrophone +  Ständer mit, ohne das Jens dies zunächst bemerkte. Die Sachen hatte ohnehin ein bekannter unserer Band direkt im Werk des Herstellers mitgehen lassen. Dieser Kontakt war damals sehr praktisch, kann ich nur empfehlen.

Also zu viert wieder zurück zum wahnsinnigen Proberaumvermieter. Der war bekloppt genug, uns erneut aufzunehmen und steckte uns als Zeichen seiner unendlichen Güte, in den schlechtesten Raum den er hatte. Dort arbeiteten wir erstaunlich gut, machten einige unbedeutende Gigs und merkten gar nicht, dass wir zu viert waren.

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Am Ende des Jahres hatte ich ein Telefonat mit Marcus. Obwohl er es mit keinem Wort erwähnte, war mir klar, dass Marcus in absehbarer Zeit mehr von dieser mit seiner Frau verbringen wollte. Er plante  auszusteigen. Dies passte mir ausgesprochen gut, denn irgendwie ging es mit Marcus musikalisch nicht richtig weiter. Also rief ich Marco an, um ihm meine Vermutung nahe zu bringen. Marco war nicht nur gedanklich weiter als ich. Er hatte bereits den Masterplan in der Tasche.

Marco nahm  heimlich Gesangsstunden und benötigte nur noch ein paar Wochen Zeit, um sich seine Lebensversicherung frühzeitig auszahlen zu lassen, wie man das als Musiker üblicher weise so macht. Davon wollte er dann eine komplette Gesangsanlage kaufen und den Job von Marcus  zusätzlich übernehmen. Wir mußten also Marcus lediglich überreden, seine Anlage für ein paar Wochen Überbrückungszeit bei uns im Proberaum zu lassen.

Mit Marcus gab es niemals Ärger, wir haben uns in dieser Zeit wirklich gut verstanden. Unsere Auffassungen über Musik und über musikalische Arbeitsweisen gingen allerdings weit auseinander. Heute macht Marcus keine Musik mehr, ist Meister seines Berufes, verheiratet und hat ein Kind. Damals durchlebte Marcus eine labile Phase (hat man ja mal), trank auch schon mal morgens gerne das eine oder andere Bier und kam auch zum verabredeten Klärungsgespräch nicht ganz nüchtern. Da Marco und ich genau wußten was wir wollten, überrollten wir Marcus förmlich. Dieser trank hastig ein Bier nach dem anderen und gab am späten Abend zu, daß er eigentlich gehofft hatte, wir würden ihm zum Weitermachen überreden. Marcus war trotzdem sehr kooperative und stellte uns tatsächlich seine Anlage kurzzeitig zur Verfügung.

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Im Februar 1995 machten wir unseren ersten Gig als Trio. Das erste Konzert war eigentlich kein richtiges Konzert, denn wir spielten  im Vegesacker Bürgerhaus im Rahmen einer Veranstaltung, die sich Klassík und Rock im Dialog schimpfte. (“Da hatte sich ein schlauer Kopf etwas richtig gutes ausgedacht”).

Das Bürgerhaus war damals stinklangweilig und daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir hatten noch etwas Zeit bis zum Auftritt,  Marco nutzte diese, um an seiner Anlage zu schrauben. Unser Begleiter Matthias Grond (auf den kommen wir später noch zu sprechen) vertrieb sich die Zeit mit telefonieren. Im Backstage Raum stand ein Telefon einfach so zugänglich rum und Matthias telefonierte wacker ca. eine Stunde mit einem Freund in Florida. Ich verspührte ein leichtes Vakuum in der Magengegend. Etwa 50 Meter vor dem sensationellen Bürgerhaus, stand damals eine kleine Imbissbude. Das einzige sinnvolle gebäudeartige Gebilde in ganz Vegesack. Der kulinarische Klassiker Currywurst Pommes wurde hier auf höchsten Niveau dageboten. Während ich meinen Pommes zusah, wie sie im heißen Fett um ihr Leben kämpften, vernahm ich pötzlich eine Vielzahl von merkwürdigen Geräuschen. Ich vermutet zunächst, die Küchengeräte würden dahinter stecken, trat dann aber vor die Tür und konnte kaum glauben, was ích nun klar und deutlich hören konnte. Marco spielte zu dieser Zeit noch drei in Reihe geschalteter Kitty Hawk Boxen und machte offensichtlich gerade ernst. Durch mehre Wände und Räume, 50 Meter durch die Luft, bis zum 5 Sterne Imbiss bahnte sich sein Gitarrensound den Weg. Achtung und jetzt kommt es. Marco behauptet tatsächlich, ich wäre Schuld an seinen Tinnitus.

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Zum ersten Mal lief es wirklich gut mit der Band und einen besseren Raum hatten wir vom Gauleiter auch zugeteilt bekommen. Zu dritt probten wir jetzt teilweise fünfmal in der Woche. Nicht selten hingen merkwürdige Gestalten bei uns im Proberaum ab, die eigentlich von der Sorte waren, vor denen meine Eltern mich immer gewarnt hatten. Wir experimentierten am Gesamtsound der Band. Häufig waren wir den ganzen Tag im Proberaum, genauer gesagt unsere Sessions gingen grundsätzlich bis spät in die Nacht. An dieser Stelle, muss unbedingt ein großes Dankeschön an die Polizei von Bremen Nord ausgesprochen werden, die uns nicht ein einziges Mal nach den Proben zum Blasen eingeladen hat. Wenn Marco und ich nicht probten, waren wir gern gesehene Gäste in diversen Vegesacker Kneipen. André, den wir Yngwie (abgeleitet von Yngwie Malmsteen) nannten, hielt sich da immer etwas mehr zurück. Was Alkohol anging, war er wie Bill Wyman, ein Bier und er wurde auf der Stelle  bewußtlos. Marco und ich führten in dieser Zeit, wie er es einmal selber ausdrückte, ein Ehe ähnliches Verhältnis.

Mitte 95 rüsteten wir schwer auf, schließlich galt es einen Krieg zu gewinnen. Marco hatte sich gerade  eine Gesangsanlage inklusive Headset zugelegt, welches leider nie richtig funktionierte, da schlugen auch Yngwie und ich zu, aus dem Hinterhalt, ohne Vorwahrnung. Yngwie ließ sich für ein paar tausend DM einen Bass fertigen und kaufte die passende Anlage gleich dazu. Yngwie’s Anlage im Zusammenhang mit den besagten Bass, klang trotz der vielen Kohle, die er dafür bezahlt hatte kontinuierlich scheiße. Ich löste einen Bausparvertrag auf, verkaufte meine alte Kiste und holte mir für über 10.000 DM ein Doublebass-Set. Die restliche Kohle habe ich mit Marco und M.G. durchgebraten.

Der erste Gig mit neuem Equipment führte uns in eine Biker Bar, wo wir uns mit einen alten Leichenwagen vorfahren ließen. Beim Anblick des Publikums, waren wir uns dann nicht  sicher, ob wir später auf dem Rückweg sitzend oder mit den Füssen nach hinten liegend transportiert würden. Wir waren so übermenschlich laut, dass die ganzen Lederfetischisten sich das Konzert von draußen durch die Scheiben ansahen. Uns war es egal, die Presse war begeistert.

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In dieser Zeit erlebten wir auf dem Proberaumgelände, welches sich mittlerweile Musikerverein Weserhallen schimpfte, so ziemlich alles, was man sich vorstellen konnte. Partys bei denen alles zu Bruch ging und die wirklich das klassische Rock´n Roll Klischee Sex, Drugs & Rock´Roll erfüllten. Wir wurden Zeugen von zwischengelagerten Diebesgut, welches dann wiederum zügig zur Seite geschafft werden musste, Handgreiflichkeiten, Schlägereien, sowie kleinere und größere Polizeieinsätze, eben alles außer einer Geburt und einem Mord. Letzteres bin ich mir aber nicht ganz sicher. Vielleicht hierzu eine kleine Anekdote, die typisch war für die damaligen Geschehnisse.

Meine Mutter rief mich auf der Arbeit an, im Radio hätte man durchgegeben, das es an der Fähre Blumenthal in der Nacht einen Grossbrand gegeben hätte. Die Beschreibung vom Brandgebäude würde exakt auf unser Proberaumdomizil passen. Ich ließ sofort alles stehen, teilte meiner Kollegin mit, dass ich kurz weg bin, schwang mich in meinen Wagen und holte Yngwie ab. Der wohnte gleich um die Ecke und war wie ich völlig entsetzt. Der Gedanke, dass wir keine Instrumente mehr haben könnten, versetzte uns in einen  nahezu panischen Zustand.Wir bogen in die Strasse unseres Proberaums ein, das angeblich abgebrannte Gebäude konnte man schon vom Straßenbeginn aus sehen. Das Hauptgebäude, wo sich unser Proberaum befand und auch die Konzerthalle sahen völlig unversehrt aus. Hier hatte es im Leben nicht gebrannt. Auf dem Gelände kein Brandgeruch, wir öffneten die Tür vom Proberaum, da war alles genauso wie immer. Eigentlich wollten wir das Gelände schon wieder verlassen, aus völlig unerklärlichen Gründen, machten wir etwas, was wir sonst nie machten, wir öffneten die große Stahltür zur Halle. Ich behaupte, es gab nie zuvor zwei Leute die noch dümmer aus der Wäsche geschaut hatten, als wir in diesen Augenblick. Außer der Haupteingangswand, wo wir uns befanden, war alles weg. Die gesamte Halle war niedergebrannt. Von außen war absolut nichts zu sehen. Die Halle bzw. das, was noch davon übrig war, hatte keine weitern Wände mehr und auch das Dach war komplett abgebrannt bis auf wenige Metalstreben, die von einer beängstigenden Restdachkonstruktion übrig geblieben waren. Dass hier einmal Konzerte stattgefunden hatten, konnte man sich nicht mehr vorstellen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Feuer es nicht geschafft hatte, das Hauptgebäude und somit unser Equipment niederzubrennen. Später kam dann heraus, dass es Brandsstiftung war.

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Die Gebäudeversicherung soll ausgereicht haben, um ca. 10 Jahre nicht mehr selber kochen zu müssen. Warum die Angelegenheit niemals aufgedeckt wurde, ist mir noch heute unbegreiflich. Jahre später ließen zwei Alkies keine Gelegenheit aus sich damit zu brüsten, dass sie im Auftrag die Halle angezündet hätten…………

Der Grund, dass  ich die folgende Geschichte so ausführlich erzähle, liegt vermutlich daran, dass Marco sich gerade eine neue Endstufe  gekauft hat und wir unweigerlich daran erinnert wurden, wie wir Mitte der 90er Jahre in einer Spätnachmittagsprobe steckten, als plötzlich die Tür aufging und Kai den Raum betrat.

Kai war damals der beste Freund von Yngwie und somit auch ein guter Freund der Band. Von uns wurde er grundsätzlich Ebel genannt, abgeleitet von der Fernsehnervensäge Kai Ebel. Kai war damals Anfang 20, ungefähr doppelt so groß wie ich, also ca. 3.60, hatte Hände in der Größe von Tennisschlägern und brachte locker über 100 Kilo, auf die Elefantenwaage. Kai hatte ein sonniges Gemüt, er war ein echter Kuschelbär immer freundlich und hilfsbereit. Die Familie von Charles Manson ließ über ihren Charles übrigens nicht viel anderes verlauten. Um es auf den Punkt zu bringen, Ebel hatte noch ein 2. Gesicht. Wir nannten es den lehren Blick. Jeder der Full Metal Jacket gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Für die 3 Anderen hier ein Foto.(Na, gehörst du zu den drei Anderen.)

An bestimmten, im Interval wiederkehrenden Tagen, konnte man sich bei Kai nicht sicher sein, ob er nicht im nächsten Augenblick mit einer abgesägten Schrottflinte seiner ehemaligen Schule einen unangemeldeten Besuch abstatten würde. Ebel stellte eine MKII Mesa Boogie Endstufe,( kostete damals ca. 2000 DM bei Neueinkauf) direkt zu Marcos Füßen.

Marco:“ Was ist das?“

Ebel:“ Eine Messa Boogie Endstufe.“

Marco:“ Das sehe ich selber, was soll die hier?“

Ebel:“ Die schenke ich dir.“

Marco in einer Mischung aus Mißtrauen und Begeisterung:“Wo hast du die her?“

Ebel:“ Ich war bei Ralf:“

Ralf war in den 80igern und 90igern Besitzer des größten Musikladens in Bremen, der Mann war richtig groß im Geschäft, bis er eines Tages 3 Finger heben mußte und seinen Porsche gegen einen Opel Corsa eintauschte.

Ebel:“ Ralf hat jetzt so ne Lagerhalle im Hafen, kein richtiges Geschäft mehr, da liegen Mischpulte für für zich tausende einfach so auf dem Boden rum und er sitzt den ganzen Tag in seinem Büro, umgeben von Akten und Rechnungen und hat völlig die Kontrolle verloren. Der Laden is pleite, das sagen alle und bevor alles unter den Hammer kommt, habe ich beim Rausgehen das Teil einfach mitgenommen. Stand direkt am Ausgang rum. Übrigens Frank, einen kompletten Paiste Beckensatz hatte er auch noch da stehen.”

Ich:“ Ebel, den nehme ich, mach mir das mal bitte für nächste Woche klar.”

Marco hatte sich Ebels Ausführungen nur noch nebenbei angehört. Für ihn, nein ich muß mich revidieren für uns stand es nun fest, Marco war rechtlich und auch moralisch, der neue Besitzer der Messa Boogie Endstufe. Während Ebel noch berichtete, fing Marco bereits damit an, das neu erworbene Gerät gegen seine alte Endstufe auszutauschen. Soweit der erste Teil der Geschichte, der liebe Gott hält für diese Art von Storys aber immer einen zweiten Teil Parat und der lief folgender maßen ab.

Ein paar Tage später war ich gerade schwer damit beschäftigt nichts zu tun, als das Telefon klingelte und Yngwie in seiner unverwechselbaren Art ohne Begrüßung und Vorgeplänkel sofort aufgeregt zum Thema kam.

Yngwie: Ich habe gerade mit Ebel gesprochen, der hat die Endstufe geklaut.“

Ich: „Das weiß ich doch, das hat er uns ja erzählt.“

Yngwie: „Man, die kommt nicht von Ralf.“ Yngwie wird von mir unterbrochen.

Ich:“ Es ist doch scheiß egal wo das Ding herkommt. Hauptsache Marco hat sie jetzt, der kann die Endstufe nun wirklich gut gebrauchen.“

Yngwie:“ Ebel hat das Teil bei Nickel direkt aus dem Proberaum geklaut und der weiß darüber bescheid.“

Ich:“ Ach du Scheiße!“

Anfang der 90er spielte ich in einer gar nicht so schlechten Band, die sich einen Raum mit einer weiteren Band teilte, zu der Martin Nickel gehörte. Der Raum befand sich unter einem Penny Markt, eine dritte Band probte in einem weiteren Raum direkt neben uns. Nickel war Hauptmieter der Räumlichkeiten, sammelte monatlich die Kohle ein und überwies diese dann an den Eigentümer, der in Frankfuhrt ansässig war. Irgendwann muß es mit den Geld eng bei Nickel geworden sein, denn eines Tages erschien er mit einen schreiben des Eigentümers unter Androhung von rechtlichen Konsequenzen, wenn eine Mietschuld von 2500 DM nicht umgehend beglichen würde. Nickel hatte offensichtlich mehrere Monate keine Pfennig überwiesen und sich unser aller Geld einfach in die eigene Tasche gesteckt. Nun, da ihm das Wasser bis zu seinen beschissenen Hals stand, hoffte er in seiner naiven Denkweise auf Unterstützung von uns, die er natürlich nicht bekam. Seinem kranken, debile Hirn,  muß dann die Idee entsprungen sein, einfach einen Satz Paiste Becken von mir einzubehalten. Der Beckensatz entsprach ziemlich genau dem Wert von 2500 DM. Die forderte Nickel nun von mir ein, ansonsten drohte er damit mein Gold zu verkaufen. Er kann sich noch heute glücklich schätzen, das ich Marco damals noch nicht kannte, Marco hatte nämlich gute Kontakte zu einen Wahnsinnigen, der im Auftrag der iranischen Regierung zur Zeit des Iran Irak Krieges bestimmte Typen quer über den Erdball jagte, um diese dann lukrativ platt zu machen. Ich entschied mich für einen Rechtsanwalt. Durch eine einstweilige Verfügung, konnte ich die ganze Sachen erst einmal stoppen. Dann setzte ich einen Vertrag auf, aus dem Eindeutig hervorging, das mein Schlagzeug schon seit über einem Jahr gar nicht mehr mir, sondern meinem besten Freund Matthias Grond gehörte. Laut Vertrag durfte ich das Schlagzeug zwar weiter benutzen, es würde aber erst wieder in meinen rechtlichen Besitz übergehen, wenn ich einen bestimmten Betrag(Schulden an Matthias) zurück gezahlt hatte.

Hierzu sagte mein Anwalt:“ Es ist ihnen schon klar, das sie die ganze Geschichte unter Umständen vor Gericht unter Eid aussagen müßen.“

Ich:“ Ich sage alles unter Eid aus, Hauptsache ich bekomme meinen Beckensatz wieder.“

Anwalt:“Das kriegen wir schon irgendwie hin aber mal unter uns, die Sache mit dem Vertrag ist eine einfache aber geniale Idee.“ Dies zum Thema ehrliche Anwälte.

Es dauerte noch Monate bis die Angelegenheit komplett abgeschlossen wurde, übrigens ohne Gerichtsverhandlung. Einen Tag vor Ablauf der Frist, da hatte irgendwer bei Gericht gepennt, holte ich meine Becken bei einem Gerichtsvollzieher raus. Einen Tag später wären sie versteigert worden. Nickel mußte die Verfahrens kosten und meine Anwaltskosten tragen und man soll es nicht für möglich halten, auch das waren ziemlich genau 2500 DM.

Natürlich war mir völlig klar, das ich für die “Endstufenangelegenheit” nicht belangt werden konnte aber für Nickel hätte dies, wenn er es ein wenig geschickt angestellte hätte, ein kleiner Rachefeldzug werden können, der Sleep Dirt für eine bestimmt Zeit sehr unangenehm hätte treffen könnte.

Als vor 160000 Jahren die ersten Neanderthaler mit Knochen auf Baumstämme einhämmerten und somit eindeutig die Geschichte des Rock`n Roll einleiteten, galt bereits ein Grundsatz im Musikbusiness, der sich bis heute streng gehalten hat.

Niemals Bullen im Proberaum!

Die Strecke von meiner Wohnung bis zum Proberaum schaffte ich unter Mißachtung sämtlicher Verkehrsregeln in der Rekordzeit von  15 Minuten. Ich hatte Panik bereits auf Bullen zu treffen und dann in Erklärungsnot zu geraten. Beim Betreten des Proberaums versuchte ich per Panoramablick sofort zu erfassen, ob wirklich alles, was sich im Raum befand absolut legal war, b.z.w. ich die Herkunft rechtlich einwandfrei erklären konnte. Nein. Ich stellte die Endstufe unübersehbar in den Gang, der zu unserem Proberaum führte. Den Rest hat dann Yngwie erledigt, Kai brachte das Teil zurück, bevor Nickel polizeilich aktiv geworden war. Nickel habe ich vor ca. zwei Jahren zufällig getroffen, wir werden sicherlich nie miteinander kuscheln aber die Sache ist längst vergessen. Er war halt jung und brauchte das Geld.

Marco und ich haben nie wieder ein Instrument oder musikalisches Zubehör geschenkt entgegen genommen. Das kann an Geburtstagen mitunter ziemlich ärgerlich sein.

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Wir machten nicht viele Gigs aber erspielten uns mit gezielten Auftritten durchaus ein lokales Ansehen in der Musikerszene. Der für uns rückblickend legendäre Gig im Hamburger Marquee, direkt an der Reeperbahn, war in dieser Zeit trotzdem unser  größter Flop. Merke: Als unbekannte Bremer Band in Hamburg zu spielen, ist nicht so leicht, wie man es  im Vorfeld annimmt, da kommt  nämlich kein Schwein.

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Zu erwähnen wäre noch, dass unser damaliger Manager Matthias Grond (MG) diesen Gig sehr geschickt eingefädelt hatte. Er tauschte einfach unsere Bremer Kontakdresse gegen eine Hamburger Adresse aus. Das Management vom Marquee ließ nämlich nur Hamburger Bands dort spielen und wir wollten es doch wenigstens einmal mit unserer Musik  in der besten Stadt der Welt  versucht  haben . Dies war jedoch ein klassisches Eigentor. Gefälschte Bandinfos waren eine Spezialität von MG, dies machte er zu dieser Zeit öfter. Immer getreu dem Motto: Jeder kriegt die Info, die er haben will.

Die Songs wurden komplexer, viel komplexer. Es ging nicht mehr nur darum, etwas zu spielen, sondern etwas zu spielen, was wir bisher noch nicht spielen konnten.

1997 war uns klar, dass wir ein Demo benötigten. Wir wollten unbedingt einen Plattendeal.

Meine Güte es gab schlimmeres als uns.  Irgendwie musste es doch möglich sein, dieses Ziel zu verwirklichen.

Drei Songs wurden von uns ausgewählt und für die Studioaufnahmen zum Teil umkomponiert. Marco hatte bereits Studio-Erfahrung, Yngwie und ich nicht. Aber wir waren sehr gut vorbereitet, überließen nichts dem Zufall, es gab spieltechnisch keine Probleme.

Unser Demo hatte zwar keinen überragenden Sound, die Songs überzeugten trotzdem.

Für das CD Release Concert suchten wir uns das Gate aus, einen kleinen Club im Zentrum von Bremen. Die Clubbesitzer spielten ab und zu unsere gerade frisch fertig gewordene CD und waren sehr kooperativ. Am Tag X war es voll, sehr voll und wir natürlich anschließend auch.

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Die CD wurde zu diversen Plattenfirmen geschickt, bei Belapohne kamen wir in die engere Auswahl und unser Demo wurde sogar mit in eine Hörrunde genommen, so wurde es uns mitgeteilt. Leider alles ohne Erfolg.

Marco, der mittlerweile studierte, lernt an der Uni Gero John kennen, eine Art Clint Eastwood am Cello, Gero war bekannt durch das Bremer Kaffeehaus Orchester. Im Spätsommer 97 organisierte Marco tatsächlich eine Probe mit Gero und Constantin Dorsch, welcher ebenfalls beim Bremer Kaffeehausorchester war, jedoch als Geiger.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich Fieber hatte und auf Marco einredete, die Session abzublasen. Keine Chance, die Probe war ungewöhnlich und ich wollte nur noch nach Hause. Die nächsten Proben waren vor allem durch eine Sache gekennzeichnet: Sehr viel Alkohol. Es war nicht gerade die Zeit für niedrige Leberwerte. Bis dahin dachte ich, klassische Musiker wären seriöser als Rockmusiker.

Wir probten also fortan zu fünft und hatten es uns als Ziel gesetzt, das ganze auf die Bühne zu bringen.

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Marco musste unsere Songs zum Teil erheblich umkomponieren, bzw. die Stimmen für Cello und Geige dazu entwickeln. Constantin arbeitete sich durch unsere Songs und schrieb die Notation für Geige und Cello, denn wie alle klassischen Musiker benötigten sie Noten, ohne diese waren sie wie Schildkröten auf dem Rücken. Außerdem gab es soundmäßig erhebliche Schwierigkeiten und das obwohl Gero und Constantin mit E-Instrumenten spielten. Trotzdem stand nach relativ kurzer Zeit unser Programm und wir hatten unseren ersten Auftritt im Bremer Club Chagall.

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Genau genommen hätten wir ihn fast gehabt. Beim Soundcheck kam plötzlich der Clubbesitzer auf die Bühne und verkündete, es gäbe massive Probleme mit dem Hausmeister des Gebäudekomplexes, die Polizei sei bereits informiert und würde notfalls den Laden räumen. Entweder wir würden das ganze Ding runterfahren auf 80 dB oder…

Ich glaube es war MG, der vor die Tür trat und den bereits zahlreich erschienen Leuten mitteilte, dass das Konzert ins Wasser fällt. Das Foto zeigt Gero und Constantin, als klar wurde, dass nichts mehr zu machen war.

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Einige Monate später machten wir den 2. Anlauf. Diesmal  gegenüber vom Chagall, so zu sagen bei der Konkurrenz, im Tower. Der Laden war am Konzertabend ziemlich voll, wir hatten uns im laufe der letzten Monaten tatsächlich eine kleine Fangemeinde erspielt. Zusätzlich hatte sich die Sache mit dem Chagall rum gesprochen und wirkte irgendwie als Werbung für uns.

Wir waren unendlich stolz, als das Konzert erfolgreich vorbei war. Gero nahm sein Zigarillo aus dem Mund und sagte „wir haben es geschafft“, und genauso war es. Es ist wirklich schwieriger als man glaubt, klassische Musiker und Rockmusiker sinnvoll auf einer Bühne zusammen zu bringen.

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Das wahrscheinlich beste Konzert in dieser Besetzung, fand im Modernes 1998 statt, ein recht großer Laden in Bremen.

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Der Mann am Mischpult war zufälligerweise Olaf Rodeck, ein Bassist, der in der Anfangsphase der Band für kurze Zeit dabei war. Olaf verstrickte sich grundsätzlich in unendliche Lügengeschichten, hatte ständig Ärger am Hals, chronisch keinen festen Wohnsitz, war häufig Wochenlang nicht auffindbar, gerne mal in Untersuchungshaft und flog somit aus jeder Band. Seine Arbeitschuhe und sein Familienstammbuch hängen noch immer bei uns im Proberaum an der Wand und warten seit 18 Jahren darauf, abgeholt zu werden. (Olaf falls du dies lesen solltest und nun dein Stammbuch wieder haben möchtest, dann bringe doch bei der Gelegenheit so ca. 1000 Euro mit. Das ist ungefähr die Summe, die Marco dir in den Monaten eures Zusammenseins geliehen hat). Wie auch immer, wir spielten an diesen Abend mit zwei weiteren Bands und kamen ausgesprochen gut beim Publikum an.

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Zu dieser Zeit wurde es mit Yngwie allmählich schwieriger. Bei den Proben lag er nur noch somnolent auf dem Sofa  und drehte mit den Fingern an  seinen viel zu langen Blonden Haaren rum. Er erzählte uns von Dingen, die wir weder hören wollten noch noch mit uns in Einklang bringen konnten. Marco und ich waren längst nicht mehr nur Schlagzeuger und Gitarrist, wir betreuten Yngwie nebenbei psychotherapeutisch, konnten dies nur leider nie mit seiner Krankenkasse abrechnen. Ganz zu Beginn der Band hatte Marco Yngwie einmal so lange gereizt, dass dieser seinen Bass nahm und ihn vor Wut quer durch den Raum warf. Ich musste mich ducken, damit der Bass mich nicht traf, er flog straight gegen die Wand. Lange reizen musste man Yngwie nicht mehr. Seine Nerven waren ständig blank, ich glaube es ist nicht übertrieben, Yngwie als extrem exzentrisch zu bezeichnen.

1999 geschah das, wofür wir lange „hart“ gearbeitet hatten und das übrigens auch Nachts und zwar ganz ohne gewerkschaftliche Nachtschichtzulage. Über einen viel zu dicken, kleinen, schmierigen Studiobesitzer  in der Weltstadt Wuppertal kam ein Kontakt mit einem Label in Frankfurt zustande. MG setzte uns ins sein Auto und wir trafen uns mit dem Chef des Labels  zu ersten Gesprächen in Wuppertal. Nach zwei Treffen und einigen Telefonaten, unterzeichneten wir einen Vertrag und schickten ihn nach Frankfurt. Da es sich um einen durchaus üblichen Bandübernahmevertrag handelte, mussten wir erneut ins Studio. Wir wählten hierzu das selbe Studio aus, das wir bereits zwei Jahre zuvor für unser Demo entweiht  hatten.

Zuvor benötigten wir jedoch dringend neues Material, wir hatten zwar ausreichend Songs auf Lager, allerdings wollten Marco und ich dem progressiven Gedanken noch mehr Rechnung tragen und den gesamten Album einen noch deutlichern Stempel aufsetzen. Yngwie hatte zwar den Vertrag mit unterzeichnet, konnte sich aber auf alles weitere kaum noch konzentrieren, ich will damit sagen, er war nicht gerade eine Hilfe für uns.  Mein starker Haarausfall resultiert eindeutig aus dieser Zeit. Es soll ja angeblich Berichte von Soldaten geben, die in Extremsituationen wie zum Beispiel an der Front, über Nacht ihre kompletten Haupthaare verloren haben. Mit Yngwie waren wir jeden Tag an der Front.

Dazu kam die Endgültige Kündigung unseres Proberaumes, das Gebäude sollte abgerissen werden.

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Zwei Monate vor Studiobeginn bezogen wir unseren neuen Proberaum. Diesmal gingen wir auf Nummer sicher, ein Bunker in Walle/Bremen bot uns ausreichend Schutz vor feindlichen übergriffen.

Die Studioaufnahmen dauerten ca. einen Monat, davon gingen alleine 7 Tage für Streitigkeiten zwischen Yngwie und dem Tonmeister drauf. Ich brachte es nur auf ca. einen Tag, Marco löste all seine Probleme diplomatisch mit einer handelsüblichen Maschinenpistole.

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Yngwie hatte bei den letzten Komposition kaum noch mitgewirkt und war in der Endphase seiner Bassaufnahmen zusätzlich unkonzentriert. Ich hatte meine Parts bereits eingespielt, da kam mir der Gedanke,  mit M.G. ein Rolling Stones Konzert in Stuttgart zu besuchen. Dies war zwar schon lange geplant, wurde von mir jedoch wieder verworfen, um ebenso wie Marco im Studio dauer anwesend zu sein. Hierzu muß man wissen, Marco und ich leiden unter extremen Kontrollzwang. Mein Kurztrip dauerte ca. 3 Tage. In dieser Zeit war offensichtlich einiges vorgefallen. Was genau das war, habe ich aus Marco nie richtig rausbekommen. Jedenfalls spielte er  während Andres Abwesenheit  einige Bass Parts nochmals selber ein, um die Aufnahmen nicht weiter zu gefährden. Solche Vorgehensweisen kannte ich bis dato nur von Dokken, aber man lernt ja nie aus.

Nach acht Stunden täglicher Studioarbeit saßen Marco und ich oft noch bis spät in der Nacht zusammen und hörten die Aufnahmen ab.

Ganz zum Schluss kamen Gero und Constantin ins Studio und spielten ihre Parts ein. Yngwie hingegen war kaum noch anwesend.

In meiner Erinnerung, war das Material noch nicht ganz abgemischt, als Marco und ich das entschieden, was unumgänglich war.

In einer Dokumentation über die Rolling Stones, erzählt Charlie Watts, wie er und Mick Jagger 1969 sich ins Auto setzten und zu Brain Jones fuhren, um ihn mitzuteilen, dass er nicht mehr in der Band war.

Und welch ein Zufall, 30 Jahre später saßen Marco und ich im Auto und fuhren doch tatsächlich zu Yngwie. Ich glaube, als er uns die Tür öffnete wusste er bereits, warum wir gekommen waren. Marco, der sonst eher diplomatisch an unangenehme Dinge ging, teilte Yngwie ohne Einleitung mit, dass wir ohne ihn weitermachen würden.

Yngwie schien fast erleichtert, er gab zu, dass ihm alles über den Kopf gewachsen war, die Studioarbeit, das viele Proben, das tüfteln an immer komplizierteren Stücken, dies alles wurde für ihn zu einer immer größeren Belastung. Trotzdem war Yngwie auch Enttäuschung  anzumerken, große Enttäuschung. Wir hatten ihm das Wichtigste genommen, nämlich in der Band zu sein.

Später kam er immer noch zu unseren Auftritten.

MG nahm uns zur Seite und meldete großes Bedenken an, ob wir das richtige getan hätten. Er meinte es könne Monate dauern, bis wir für unsere Musik einen passenden Bassisten finden würden. Dazu käme der menschlich Aspekt, der auch nicht zu unterschätzen sei und wir hätten für all dies definitiv keine Zeit zur Verfügung.

Keine vier Wochen später klingelte es bei Marco und MG an der Tür. Die beiden wohnten zu dieser Zeit in einer Art konspirativer Interessengemeinschaft zusammen. Es war Martin Zemke der geklingelt hatte, er hatte sich wie auch einige andere Bassisten auf ein Inserat gemeldet, das wir aufgegeben hatten. Dies war nun unser erstes Treffen. Martin setzte sich zu uns an den runden Tisch, bekam ein Dosenbier und fing an von sich zu erzählen. Wenn wir ihn nicht irgendwann unterbrochen hätten, würde wir vermutlich immer noch dort sitzen und hätten jetzt Bärte wie ZZ Top.

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Ursprünglich kam er aus Herne, lebte mit seiner Familie zuletzt in Rheine und sei nun nach Neuenkirchen gezogen. Ein kleines Nest in der Nähe von Bremen, wo ich übrigens aufgewachsen bin, Zufälle gibt es.

Marco legte unsere frisch abgemischt Aufnahme ein. Das Intro der CD war zu Ende, dann kam „Walk in the domain of …“. Martin hörte sich die Nummer ca. 3 Minuten an, wahrscheinlich das einzige Mal in seinen Leben, dass er tatsächlich länger als 2 Minuten eine musikalische Studioproduktion zuhörender weise durchhielt. Dann sagte er, dass er das Material spielen könne, es würde zwar eine Weile dauern, bis er das Zeug auswendig drauf hätte (diese Weile dauert übrigens noch an)  aber mit den passenden Noten sehe er keine Probleme. Wir waren sehr beeindruckt, tatsächlich, das waren wir. Dann stellte Martin eine Frage mit der er die gesamte Problematik einer kompletten Musikrichtung auf den Punkt brachte.

Zitat Martin:“ Sagt mal, wer will so ein Zeug eigentlich hören?“

Als Martin im Verlauf des Gespräches sein Bier dem Keramikbecken weiter schenkte, sagte Marco zu mir und MG,  „den nehmen wir`“. MG erzählte mir später, dass er Martin eigentlich gar nicht mit auf die „Das könnte was werden Liste“ setzen wollte, weil dieser beim ersten Telefonat auf die Frage nach seinen Referenzen nur von Blues Bands erzählte und eigentlich vom Beruf Pastor sei. Auf jeden Fall waren wir von da an im Namen des Herren unterwegs.

Im August 99 musste Marco mal wieder das Land verlassen (beruflich), Martin bereitete sich auf die erste Probe vor, MG und ich kümmerten uns um die CD Präsentation.

Mit dem Moments in Bremen war schnell der passende Club für das CD Release Konzert gefunden. Die CD sollte erst im darauf folgenden Jahr erscheinen, also 2000,  somit legten wir den Termin für das Konzert auf Ende November, um noch ein paar Wochen Pufferzeit zu haben. Von da an wurde es mit unserer Plattenfirma vorsichtig ausgedrückt schwieriger. Wir fühlten uns nicht unterstützt.

An die ersten Proben mit Martin habe ich kaum noch Erinnerungen, nur das sie ganz anders waren. Wir bekamen durch Martin einen mächtigeren Sound. Außerdem komponierte Martin im Gegensatz zu Yngwie aktiv an den Songs mit und brachte neue Ideen und Einflüsse mit in die Band. Er war so ganz anders, so gerade heraus und nicht nur das, ich habe mich mit Martin auf anhieb sehr gut verstanden, im allgemeien brauche ich sonst Jahre, um mit Menschen ein freundschaftliches Verhältnis zu führen.

Es ging voran, aus August wurde September und plötzlich, man  glaubte es kaum, kam der Oktober (da Schau her). Zu dieser Zeit fingen wir an uns große Sorgen zu machen, ob unsere CD rechtzeitig fertig würde. Unser Label ließ immer neue Hiobsbotschaften verkünden, deren Inhalt immer von Verzögerung der CD Veröffentlichung handelte.

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Schließlich kam es zum Release Konzert ohne eine CD Veröffentlichung. Die Tatsache, dass wir dies vorher wussten, machte die Angelegenheit zwar nicht deutlich besser aber wir konnten zumindest entsprechend damit umgehen und es unserem Publikum besser verkaufen. Die CD sollte in Europa und Asien erscheinen, war aber leider nicht einmal in Bremen zu erhalten.

Trotzdem lief das Konzert sehr gut und Dank einer Sponsorin konnten wir uns den besten Mixer in Bremen leisten und hatten einen überragenden Sound.

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Heute schaue ich hin und wieder bei e-bay nach und manchmal verkauft tatsächlich jemand unsere CD. Das Gefühl die eigene CD in einem Geschäft in den Händen zu halten (und man kann mir glauben, davon habe ich immer geträumt) habe ich zwar erlebt, Freude kam da aber bereits nicht mehr wirklich auf, denn zu diesem Zeitpunkt wurde der Ärger mit unserem Label immer skurriler und endete so, wie es kommen musste.

Eines Morgens im neuen Jahrtausend saß ich gerade beim Frühstück,  als die Post ins Haus schneite. Eine ehemalige  Anwältin von EMI hatte offensichtlich die Interessen unseres Labels übernommen und uns zur Feier des Tages gleich mal auf 45 Tausend DM verklagt. Damit hatte sich mein Frühstück erst einmal erledigt. Einzelheiten aufzuzählen, wie es dazu kam und worum es bei der Klage ging würde viel zu weit führen und sind eigentlich auch nicht wirklich wichtig. Tatsache ist, ich habe von 365 Folgen Dallas ca. 300 Folgen gesehen, dies konnte die Gegenseiten natürlich unmöglich wissen, führte aber unter anderen dazu, dass wir keine 45 Tausend DM zahlen mussten, immer noch Sleep Dirt heißen und nach wie vor die Rechte auf unsere Songs haben. Außerdem entdeckte unsere Anwältin einen Präzedenzfall, bei dem es um genau die gleiche Angelegenheit ging. Man könnte auch sagen, uns hat kein geringerer, als der weltberühmte HUBERT K. sehr geholfen. Danke dafür und beste Grüsse an Rosemarie. Um es kurz zu machen, wir sind bei der ganzen Angelegenheit mit einem blauen Auge davon gekommen und waren um eine Erfahrung reicher.

Einen Plattenvertrag zu haben ist manchmal gut, keinen zu haben ist manchmal besser.

Das CD Release Konzert, hatte noch zur Folge, dass ein bekannter Bremer Komponist uns für eine im Spätsommer 2000 stattfindende Open Air Theaterveranstaltung überredete, an dieser als Band mit seinen Kompositionen teilzunehmen. Das Material musste vom Blatt gespielt werden, (nicht unbedingt meine Spezialgebiet) und kostete uns ca. ein Dreivierteljahr Arbeit, für insgesamt 8 Veranstaltungen, die in den Bremer Wallanlagen stattfanden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, das wir bereits einige Tage vor der Premiere unser gesamtes Equipment  auf der Bühne stehen lassen mußten. Die Bühne war ca. 2.50 Meter hoch und stand auf  4 Holzpfeilern und war alles andere als sicher. Zwei Tage vor der Show hatte es in der Nacht heftig geregnet. Die lächerliche Dachkonstruktion hatte nachgegeben und Teile unseres Equipments waren Naß geworden. Martín ließ alle verantwortlichen köpfen und drohte damit, dass wir uns als Band sofort von der Sache verabschieden würden, wenn die Bühne nicht umgehend Open Air tauglich gemacht würde. Zur Premiere war der Hammsterkäfig dann tatsächlich sicher.  Das schlimmste war allerdings, daß ich leise spielen musste. Unvorstellbar aber leider wahr. Noch heute wache ich regelmäßig, schweißgebadet Nachts auf, weil ich wieder diesen schrecklichen Traum hatte, in dem mir Peter Friemer (Komponist) mitteilt, das unter seiner Regie leise gespielt wird.

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In dieser Zeit machten wir nur zwei  Konzerte. Eines  im Hamburger Logo, das andere im Bremer Meisenfrei. Dort spielten wir tatsächlich in einer 6er Besetzung, mit dem besagten Komponisten an den Keyboards.

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Ansonsten war Sleep Dirt erst einmal auf Eis gelegt. Zu erwähnen wäre noch, dass wir mal wieder den Proberaum wechseln mussten und fortan im leicht abgelegen Bremer Stadtteil Woltmershausen probten. Der Proberaumvermieter war ein älterer Herr um die 70 Jahre. Übrigens  in Bremen sehr bekannt. Er litt  leider an chronischer Selbstherrlichkeit und  hätte uns fast unser gesamtes Equipment zerstört.

Der Proberaum war sehr schlecht belüftet,  roch nach toter Katze und führte dazu, dass bei einer durchschnittlichen Probe von 4 Stunden,  sich die ersten hypoxischen Hirnschäden bei uns bemerkbar machten. Dies ist zwar bei Bluesbands völlig normal,  im Prog. Rock alllerdings  nicht sehr hilfreich. Die Lüftungsanlage, welche unsere Vorgänger eingebaut hatten, funktionierte ungefähr so gut, wie eine Stereoanlage unter Wasser. Ein Fenster mußte her. Diese folgenschwere Idee stellten wir den Vermieter vor.

“Kein Problem Jungs, das kriegen wir hin, da sage ich meinen polnischen Arbeitern bescheid und dann läuft das schon, ihr müßt euch nur einen geeigneten Termin überlegen und den Raum dann leer räumen.”

Ich prädige ja schon immer, man sollte jeden Tag auf seinem Instrument üben. Leider hielt ich mich da auch nicht immer dran und war die nächsten 3 Tage  nicht im Proberaum.  Am 4. Tag klingelte bei mir das Telefon.

“So mein Junge, das Fenster hm wir eingebaut und auch gleich eine Wand versetzt.”

Der Bergriff vom 11. September hat definitiv hier seinen Ursprung. Es dauerte Tage, das Equipment vom Staub und Dreck der Umbauarbeiten zu befreien. Für ein elektronisches Gerät kam jede Hilfe zu spät.

2001 habe ich erst einmal geheiratet und bin dann wie es sich gehört 4 Monate Später Vater geworden. (Sticks vs. Windeln)

Wir befinden uns jetzt im Sommer 2002. Ich ging eines Tages auf die Strasse, wie man das halt mitunter mal so macht. Vor unserer damaligen Wohnung befand sich eine Straßenbahnhaltestelle. An dieser stand ein Zombie, der mich sehr stark an Marco erinnerte. Marco war gerade beruflich aus China zurück, dort wohl offensichtlich an einen Grippalen-Infekt erkrankt, den er nun großzügig in Europa verstreute. Marco teilte mir mit, dass er heiraten würde.

Da war ich baff. Der König der Solisten würde heiraten. Ich fragte ihn, was er im nächsten Akt bringen würde, das passende Kind. Ein Jahr später hielt ich es dann im Arm.

Eine Rock Band am leben zu erhalten und gleichzeitig eine Familie zu haben, war für uns alle schwieriger, als die richtigen Bundesligaergebnisse zu tippen und trotzdem machten wir weiter und  ich meine jetzt nicht mit den Bundesligaergebnissen.

Das Proben in dieser Zeit gestaltete sich äußert schwierig, selten waren wir alle 5 im Proberaum und dennoch arbeiteten wir in den unterschiedlichsten Konstellationen weiter an neuen Songs. Das Material aus dieser Zeit haben wir erst kürzlich neu überarbeitet. Ich denke, dies war dringend nötig.

Im Sommer 2003 machten wir das letzte Konzert mit den Klassikern, wie wir Gero und Constantin nannten, denn im Herbst des gleichen Jahres bekam ich einen Anruf von Gero. (Das folgende Foto hängt so bei mir im Arbeitszimmer, M.G. liegt jedesmal vor Lachen auf dem Boden, wenn er es sieht, warum dies so ist kann ich nur vermuten)

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Gero  teilte mir mit, dass er aussteigen würde und ich teilte ihm mit, dass ich damit kein Problem hätte. O.k. Marco ich gebe hiermit zu, ich war glücklich, als diese Phase, nach fast 7 Jahren endlich vorbei war. Ich wollte immer nur eins, eine Trio Besetzung ohne unnötigen Balast. Klar war auch, dass Constantin ohne Gero ebenfalls nicht weiter machen würde.

14 Tage später holte ich Marco mal wieder vom Hamburger Flughafen ab. Ich glaube der Mann hat in den letzten Jahren mehr Flugkilometer hinter sich gebracht, als ein kurz vor der Rente stehender Lufthansapilot. Auf der Rückfahrt berichtete ich Marco vom „Geroschen“ Telefonat. Ich war schon auf den größten Ärger vorbereitet, sah mich schon blutend im Strassengraben, übrigens hatten Marco und ich einige Auseinandersetzungen gehabt, die kurz vor  Totschlag endeten,  in den meisten Fällen ging MG rettend  dazwischen. Doch Marco sagte nur: “Wie hast du das denn wieder hingekriegt, na dann bist du jetzt ja zufrieden.“

Rückblickend muss ich zugeben, dass es doch mehr Arbeit war als ich damals dachte, die vorhandenen Songs wieder auf das Ursprüngliche Trioformat umzuschreiben und das in einer Phase, in der wir wirklich nicht sehr produktiv waren.

Auf jeden Fall machte Martin sich genau in dieser Phase selbstständig. Beruflich und auch Privat, er zog  nach Bremen in die City. Es gibt halt Dinge im Leben eines Mannes, die einfach gemacht werden müssen und Martin, der Inbegriff eines waschechten Ruhrpott-Cowboys, wusste eigentlich immer was er zu tun hatte.

Und da wir jetzt endlich wieder zu dritt weiter machen konnten, kümmerte ich mich um einen neuen Deal.

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Im Frühjahr 2004 rief mich der Firmeninhaber eines kleinen  aber in der Szene sehr bekannten Prog-Labels an und versicherte mir, dass er seit Jahren kein so starkes Demo mehr gehört hätte und auf jeden Fall eine CD mit uns machen will. O.k., das kannten wir schon aus dem Blues Brothers Film.

Es war aber tatsächlich so, nach einigen Telefonaten und E-Mails, hätten wir nur noch zustimmen müssen.

Wir taten es nicht. Wenn mir jemand an dem Tag, als ich das erste Mal Sticks in die Hand genommen habe, erzählt hätte, dass ich mit zustimmen würde, einen Plattendeal auszuschlagen, dann hätte ich es nicht geglaubt. Eher hätte ich daran geglaubt, dass Led Zeppelin noch einmal mit John Bonham auf Tour gehen. Aber die Bedingungen hatten sich  auch 5 Jahre nach unseren letzten Deal nicht wesentlich geändert und dies bedeutete nach wie vor ein Bandübernahmevertrag und somit erhebliche Kosten für uns, von denen wir im voraus nicht  wussten, ob wir sie auch nur annährend hätten einspielen können. Ich glaube, den Deal trotzdem nicht abgeschlossen zu haben, war damals ein Fehler.

Plötzlich geschah etwas völlig unerwartetes, Marco wollte die Band personell wieder erweitern. Er wollte nicht länger Sänger und Gitarrist in einer Person sein. Ein Sänger sollte her.

Ich lehnte einen Sänger kategorisch ab, Martin enthielt sich und Marco drohte damit, bei uns auszusteigen und bei Megadeth einzusteigen. Dies konnte ich Dave Mustaine einfach nicht antun und so gab ich eine Anzeige auf.

Es meldeten sich deutlich mehr Sänger als wir vermutet hatten, die aber alle samt nicht das brachten was wir uns vorgestellten hatten. Eine zweite Anzeige lag schon im Entwurf vor, da erhielt Martin einen Anruf von einem Brasilianer, der sich bereits am Telefon als großer Prog. Rock Fan ausgab und äußerst interessiert wirkte. An einem Samstag Nachmittag saßen wir dann im Proberaum und warten auf den großen Hoffnungsträger. Die Tür ging auf und da war er ca. 1,80 groß, blaß, im luftigen Look der 70er gekleidet, mit einer Brille die nahezu sein gesamtes Gesicht für sich in Anspruch nahm und einem merkwürdigen Lockenköpfchen.

Und dann sprach er zu uns, in einem englisch, das der artig Slang geprägt war, dass man nur mit äußerster Konzentration erahnen konnte, um was es gerade ging.

Und dann erzählte er uns, dass er gerade zu Besuch in Bremen sei und sich bei dieser Gelegenheit eine Band suchen möchte, um sich dann etwas später eine Aufenthaltsgenehmigung zu besorgen. Und dann bekam er einen Songtext von Marco, den er Marco korrigiert zurückgab, ich erwähne hier nur am Rande, das Marco englisch schreiben und sprechen kann wie in seiner Muttersprache. Und dann war mir klar, daß der Typ nie im Leben echt sein konnte und das hier nur eine Person dahinter stecken konnte……M. Grond.

Ganz sicher waren hier Kameras versteckt, das kannte man ja aus diversen Fernsehsendungen. Gleich geht die Tür auf und dann betritt mit breitem Grinsen Frank Elstner den Raum. Ich ertappte mich dabei, wie ich den Raum möglichst unauffällig nach Kameras absuchte aber halt ich durfte auf gar keinen Fall verpassen, wie Marco dem Zuckerhut gleich seine Gitarre über den Kopf schlug. Marco erklärte der Caipirinha gerade einen nicht unwesentlichen Teil der englischen Grammatik und fragte mich eher beiläufig, was wir denn gemeinsam spielen sollten.

Scheiße, waren Martin und Marco mit eingeweiht? Grond ist ein Teufelskerl, wie hatte er das hinbekommen.

Nein, das konnte unmöglich sein. Ich versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, wurde aber zwangsläufig von den philosophischen Ausführungen der Copacabana zugedröhnt und war dabei ständig am abgleichen, ob ich je zuvor vergleichbaren Schwachsinn gehört hatte.

Dennoch spielten wir eine unserer Nummern, zu der die Zuckerrohrpflanze improvisierte.

Er konnte tatsächlich genau so singen wie Robert Plant. Genauso wie Robert Plant, wenn man ihn pausenlos mit einem Presslufthammer die Füße malträtierte und zeitgleich Stricknadel in den Oberkörper bohrte. Jetzt reichte es auch Martin. Er verließ sein ihn von Gott gegebenes, endloses Feld der Diplomatie und teilte der Sambapfeife mit, dass wir keine gemeinsame Zukunft haben werden. Dies interessierte den Regenwald überhaupt nicht, er war so begeistert und voller gemeinsamer Pläne, dass Martin ihn gar nicht verbal erreichen konnte. Wie denn auch, er schwebte ja gerade auf einer Wolke durch den Raum.

Ich schaute in Marcos Gesicht. Der Gesichtsausdruck, war mir sehr bekannte, er bedeutete Mord. Hoffentlich würde er ihn nur erwürgen, ein Blutbad wäre sehr ärgerlich, denn ich hatte erst vor wenigen Tagen den Proberaum gründlich geputzt. Jetzt endlich hatten wir den vollen Mohtadi vor uns. Marco machte dem fünfmaligen Weltmeister mehr als deutlich klar, dass jetzt Schluss sei und Martin führte ihn, um ganz auf Nummer sicher zu gehen direkt raus. Noch im Weggehen beschwörte er uns, doch mit nach Brasilien zu kommen, dort hätten wir eine riesen Chance als Band. Natürlich dachte ich, das machen wir gleich im Anschluss, warum auch nicht, ich hole nur noch schnell meine Zahnbürste,………….dies war das letzte mal, dass wir eine personelle Banderweiterung in Erwägung zogen.

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Dieses Bild bekamen wir einige Tage später von der Prog. Gewerkschaft (Abteilung für innere Sicherheit) mit folgenden Vermerk zugeschickt.

Achtung wer kennt diesen international gesuchten  Mann bzw.  kann Aussagen über ihn machen. Er bringt liebevolle Prog. Rocker zum Wahnsinn und kann sie im schlimmsten Fall völlig willenlos machen.

Im Frühjahr 2005 machten wir nach 8 Jahren unseren ersten Gig in der klassichen Triobesetzung. Das Konzert kann man durchaus zu den schlechteren zählen. Ich sag es mal so, es war totale  scheiße.

Wenn man zu dritt spielt, ist dies immer ein musikalischer Striptease, man kann sich wirklich hinter nichts verstecken. Durchsichtiger geht es in der Rockmusik nicht. Wir bekamen aufgezeigt, dass ein minimaler Aufwand nicht ausreichte, um unser Programm gut zu spielen.

Ein paar Monate später machten wir es dann doch deutlich besser und dennoch war es eindeutig die Zeit, in der wir nicht wirklich wussten, wie es eigentlich weitergehen sollte.

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Frank

Das Jahr 2006 brachte für die Band auch nichts Neues. Martin und ich stürzten uns auf andere Projekte, wahrscheinlich auch deshalb, weil wir uns mit Sleep Dirt in einer Sackgasse befanden.

Unser Proberaum, den wir 2000 bezogen hatten, musste dringend gewechselt werden, der hatte irgendwie ausgedient, dort ging es für uns mal wieder nicht weiter.

Im Januar 2007 ging es dann diesbezüglich, in das deutlich näher gelegene Findorff. Eine kleine künstlerisch interessierte Kirchengemeinde, für die Martin und ich eine Vernissage musikalisch untermalt hatten, stellte uns einen Raum zur Verfügung. Wir dachten tatsächlich, dass dieser Tapetenwechsel uns weiter bringen würde. Das tat er dann auch, nur leider in die falsche Richtung.

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Marco hatte bereits beim erstmaligen betreten schlechte Laune, der Raum war zu klein, klang scheiße, war nicht immer für uns nutzbar und konnte nur betreten werde, nachdem wir gefühlte 28 Tore und 25 Türen aufgeschlossen und durchquert hatten. Dies hatte ich zwar mit viel Freude ausgiebig bei Tomb Raider 3 praktiziert, musste aber um Musik zu machen nicht unbedingt sein. Wir waren am musikalischen Nordpol angekommen und rannten immer noch in Sommerkleidung durch die Gegend und wir brauchten mindesten 1 ½ Jahre, um dies zu bemerken.

Im Sommer 2008 zog auch Marco nach Bremen-Nord, erstmals wohnten wir alle auf einem Haufen und so bot es sich an, einen Raum in der Nähe zu suchen. (macht Sinn)

Ein alter Freund leitete einen Musikerverein, der in einem Bunker ansässig war, bzw. dies immer noch ist. Dort waren genügend Proberäume vorhanden. Im Dezember 2008 wurde dann ein Raum frei und wir bekamen den Zuschlag.

Als der Raum fertig eingerichtet war und wir die ersten Proben machten, stellte sich bei uns ein Gefühl ein, das wir alle lange nicht mehr hatten. Es war ein bisschen so, ein ganz kleines bisschen so, wie 15 Jahre zurück. Ob es alleine am Raum oder insgesamt am Ortswechsel lag oder ob verschiedene Dinge zum Tragen kamen vermag ich nicht zu sagen. Eines war jedoch sicher, wir probten zum ersten Mal seit Jahren wieder regelmäßig und hatten zudem seit langer Zeit wieder die Art von Spaß, die immer zu unserer Musik gehört hatte. Das Bier schmeckte auch wieder und das ist immer ein gutes Zeichen. Einige Jahre nicht richtig zu arbeiten ist für eine Prog-Band nicht schlimm. Schlimm ist, wenn man das Material aus den Jahren zuvor nicht anständig in Form von Aufnahmen und Noten archiviert hatte. Zum Glück hatten wir diesbezüglich unsere Hausaufgaben sehr gründlich gemacht.

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Das Foto zeigt uns bei einem unsere besten Konzerte. Das Konzert fand im Vegesacker Kulturbahnhof statt. Im Mai 2009. Genau dort spielt auch die nächste Geschichte.

Wenn man Marco zu etwas  überreden möchte, was er patu nicht will, muss man extrem tief in die Retorikkiste greifen. An einen der letzten schönen Augusttage 2009 saß ich bei Marco im Garten und tat genau dies.

Martin hatte eine Anfrage vom Vegesacker Kulturbahnhof bekommen, ob wir den Support für Kraan übernehmen könnten. Der Konzerttermin war der 19.09.2009. Ich war total begeistert, denn Kraan gehören zu meinen Jugendhelden. Für Marco war der Termin denkbar schlecht gelegt, weil er für eine anstehende berufliche Auslandsreise noch einiges vorzubereiten hatte und daher kaum eine Möglichkeit zum effektiven Proben sah, außerdem sah Marco uns als nicht Kraan Support kompatibel an. Ich redete auf Marco ein, wie ein Boxertrainer auf seinen bereits am Boden liegenden Zögling, der gerade vom Ringrichter angezählt wird. Als kein Verbaltrick mehr half, als ich mein komplettes Repertoire runter gespielte hatte, holte ich zum letzten, mir noch verbleibenden Satzklischee Paket aus, das ich in ähnlicher Form in unzähligen Filmen so gesehen hatte.

Ich: „ Marco…. tue es nicht für die Band, mache es für mich.“ Achtung, ich war noch nicht fertig.

Ich weiter:“ Ich an deiner Stelle, würde dir diesen Gefallen tun. Das weißt du.“ Das weißt du war hier platziert emens wichtig. Ich stand neben mir und sah mir zu, wie ich mir vor lauter Begeisterung selber die Schulter wund klopfte. Aber es ging noch besser, ich setzte noch einen drauf.

Ich:“ Marco wir kennen uns jetzt fast 20 Jahre…….. es würde mir das Herz brechen, wenn wir das Konzert nicht spielen.“

Männer und Frauen lagen sich weinend in den Armen, Standing Ovations, tosender Applaus schalte durch die mit 15.000 Menschen bis auf den letzten Platz restlos gefüllte Halle. Millionen Zuschauer weltweit an ihren Fernsehgeräten hielten den Atem an. Vor lauter Rührung musste ich weinen, ich wischte mir mit den rechten Unterarm die Tränen aus meinem Gesicht, zupfte mir noch schnell meinen Smoking zurecht, um dann vor das Mikrophon zu treten und mich zunächst ordnungsgemäß bei der Jury zu bedanken. Natürlich fielen mir die Worte schwer aber irgendwie schaffte ich es trotzdem mich auch noch beim Publikum und natürlich bei meiner Frau und meiner wundervollen Tochter zu bedanken. Dann bekam ich Teufelskerl den Oskar überreicht.

Marco:“ Flöte, maximal 3 Proben, für mehr habe ich absolut keine Zeit.“

Nach der 7. Probe waren wir so fit, dass wir unser Programm hätten rückwärts spielen können.

Am 19.09. sollten wir gegen 15 Uhr im KuBa sein. So wollte es der Veranstalter. Gegen 14 Uhr betraten wir die heilige Halle Vegesacks, getreu den Motto, der frühe Vogel fängt den Wurm. Die uns gut bekannten KuBa-Hilfskräfte, waren mit Statisten ähnlichen Arbeiten bereits schwer beschäftigt. Unser Equipment war recht schnell ausgeladen. Für mein Schlagzeug habe ich einen Teppich mit Positionsmarkierungen, auf die baute ich mein Set vor der Bühne schon mal auf, um es dann wenn das komplette Kraan Instrumentarium stehen würde, nur noch auf die Bühne stellen zu müssen. Von Kraan war bislang noch nichts zu sehen, wir vermuteten, dass sie sich noch in irgend einem Vegesacker Hotel aufhielten, es war ja auch noch verdammt viel Zeit bis zum Konzert. Gegen 15.30 wurde die Ansage gemacht, das Helmut Hattler gleich kommen würde. Eine Dreiviertelstunde später, war es dann soweit. Helmut Hattler betrat den Saal. Irgendwie gefällt mir an dieser Stelle meine eigene Formulierung nicht. Also noch mal. Eine Dreiviertelstunde später, war es dann soweit, Helmut Hattler schlurfte in den Saal. Nein, das trifft es auch nicht, ich muss wohl etwas weiter ausholen.

Das Licht legt in einer Sekunde ca. 300.000 Kilometer zurück. Die Entfernung zwischen der Erde und den Mond beträgt ca. 350.000 Kilometer. D.h. ein Lichtstrahl von der Erde losgeschickt, trifft nach etwas mehr als einer Sekunde auf dem Mond ein. Würde man Helmut Hattler in ein Raumschiff setzen, das sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegt , um ihn dann auf Mondkurs zu bringen, würde er trotzdem Jahre brauchen, um dort anzukommen. Warum? Weil der Hattler verdammt langsam ist. Vermutlich würde der arme Helmut unterwegs jämmerlich verhungern oder was als Musiker noch schlimmer wäre, gar verdursten. Helmut Hattler stellte einen Haufen Sperrmüll auf die Bühne, der sich später als Schlagzeug entpuppte und baute seine Bass Anlage auf, als er damit fertig war, war es 17 Uhr. Von den beiden anderen Kraanführen war weit und breit nichts zu sehen. Ganz langsam beschlich uns das Gefühl, das es für uns zeitlich heute noch problematisch werden könnte. Doch dann war es soweit., die beiden noch fehlenden Kraanniche hatten sich am frühen Morgen aus Bayern auf den Weg gemacht, waren in einen heftigen Stau geraten und nun endlich betraten auch sie das Epizentrum der Vegesacker Kulturszene. Und wenn wir eben noch gedacht hatten langsamer geht es nicht, dann wurden wir jetzt eines bessern belehrt und zwar im ganz großen Stil.

Die Welt blieb für Sekunden stehen, Gravitation hatte keine Bedeutung mehr, das Magnetfeld der Erde wechselte die Pole,die physikalischen Gesetzte von Einstein und Newton waren völlig außer Kraft gesetzt. Raum Zeitkontinum degradiert zur Belanglosigkeit. Die gesamte Materie des Universums war vereint, gebündelt im Vegesacker Kulturbahnhof. Das KuBa krümmte sich, verschwand in einem schwarzen Loch, um im selben Augenblick wieder da zu stehen, wo es von je her gestanden hatte. Ich sah meine verstorbenen Großeltern an mir vorbeigehen, von der Bühne winkte uns Jimi Hendrix zu und am anderen Ende des Saals saß Brain Jones und trank einen Whiskey. Wir konnten plötzlich durch die Zentimeter dicken Ziegelsteine des Kulturbahnhofs gucken und sahen wie John Lennon mit der ewigen Nervensäge Yoko Ono quasi wenige Meter entfernt an uns vorbei schlenderte…………………….

Es gab einen kurzen und wie ich mich erinnere recht lustigen Small Talk zwischen uns und Kraan, die Jungs stellten sich als ausgesprochen nette Zeitgenossen heraus, dann folgte der Kraan Soundcheck. Und wie bereits beschrieben, alles sehr,sehr, langsam. Es war schon nach 18 Uhr, als wir an der Reihe waren und uns war völlig klar, dass ab jetzt die Zeit gegen uns lief. Scheiß Satz, egal.

Der Tontechniker des KuBas hatte uns zwar vor einigen Monaten an gleicher Stelle gut gemischt, nur spielten da 4 Bands vor uns im Vorprogramm und somit konnte er zwangsläufig, als wir an der Reihe waren keine Fehler mehr machen. Er war bemüht, nett, freundlich, immer mit schnellen Schritt unterwegs aber was hat man von einem menschlich korrekten Chirurgen, der leider sein Handwerk nicht verseht? Zu oft ließt man doch von diesen schrecklichen Geschichten, bei denen der Operateur eine Schere in der Bauchdecke des Patient vergaß.

Über den Musiker Verein unseres Proberaumdomizils hatten wir Ronny Ahlers kennengelernt. Seines Zeichen Roadie, Techniker und Live Mischer. Ronny hatte uns seine Hilfe angeboten und die konnten wir jetzt gut gebrauchen.

Beim Soundcheck klappte gar nichts, er entwickelte sich zu einem einzigen traumatischen, desaströsen Ereignis. Ronny war fieberhaft damit beschäftigt, unzählige Kabel, die offensichtlich falsch angeschlossen waren, ihren eigentlichen Bestimmungsort zuzuordnen. Ich saß hinter meinem Schlagzeug und sah in die sich immer mehr verdunkelnden Gesichter von Marco & Martin. Und natürlich durfte auch bei diesen Gig nicht der ultimative Top 1 Satz, der von uns meist gehörtesten Sätze, bei all unseren Konzerten fehlen. Und weil es so schön ist, hier die Top 10.

Platz 10: Mit wem von euch habe ich eigentlich telefoniert?

Platz 9: Hätten wir vorher telefoniert, dann hätten wir es vorher abklären können.

Platz 8: Wenn ihr etwas trinken wollt, müsst ihr noch warten, bis die Thekenschlampen da sind.

Platz 7: Könnt ihr jetzt für den Soundcheck mal den Refrain spielen?

Platz 6: Ach, das war der Refrain.

Platz 5: Hatten wir nicht 16.00 Uhr als Treffen vereinbart.

Platz 4: Scheiße du spielst zwei Bass Drums, da muss ich mal gucken ob wir überhaupt ein zweites Bass Drum Mikrophon haben.

Platz 3: Wir haben kein 2.Bass Drum Mikrophon.

Platz 2: Seit ihr eigentlich 4 oder 5 Leute.

Aber die absolute, Nr. 1 der meistgehörtesten Sätze bei unseren Konzerten ist…….Ta TA Ta Ta…

Platz 1: Das kann überhaupt nicht sein, das ihr nichts auf den Monitoren habt.

Aus meiner Monitor Box kam durch den Fleischwolf gedrehte Scheiße, mein Sampling Pad gab gar nichts nach außen ab, warum auch, war ja völlig unwichtig. Vom mittlerweile Schweiß überströmten Ronny, der ständig zwischen Bühne und Mischpult rotierte, bekamen wir nur noch Wortfetzen mit wie, so blöd kann man doch nicht sein oder das muß man doch sehen, dass das falsch angeschlossen ist. Marco war offensichtlich in einer Art Präschockstarre gefallen. Er hatte aufgehört zu sprechen.Er schien nur noch aus dem Unterbewusstsein heraus zu reagieren. Marco gab dem Mischer Handzeichen, b.z.w zeigte auf seinen Monitor, dann auf seine Gitarrenanlage und aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei, auf sein Gesangsmikrophon und schüttelte danach immer seinen Kopf.

Das Foto, hat die Freundin von Martin gemacht. Sie nennt es, ich will hier raus.

Ich überlegte, ob es etwas bringen würde, mich heimlich von der Bühne zu schleichen, um Backstage telefonisch für eine Bombendrohung zu sorgen. Martins Zuversicht und Anpassungsfähigkeit gehen mir bisweilen auf den Wecker. Würde man Martin auf dem Mars aussetzten, dann käme er mit Sicherheit nach einigen Monaten von allein zurück. Er würde garantiert berichten, dass gar nicht mal so wenig Sauerstoff vorhanden war und das es Nahrungsmittel in ausreichender Menge gab. Natürlich war das Wetter besser als in Norddeutschland, lediglich die Tatsache, dass die Spiele von Schalke 04 mit zu großer zeitlicher Versetzung übertragen wurden, wäre etwas nervig gewesen. Aber auch Martin machte nicht mehr wie sonst den Eindruck, als könne er im Anschluss noch Wetten Das moderieren.

Und wenn du denkst es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo der Konzertveranstalter daher. Konzertveranstalter sind die Diktatoren des Musikbusiness. Vermutlich hocken die größten unter ihnen einmal im Jahr zu einer Art G8 Gipfel zusammen und suchen nach Möglichkeiten, die ohnehin völlig dehydrierte Musikbranche noch mehr auszusaugen. Wir sollten beginnen und zwar sofort. Die Uhr zeigte auf halb acht und wir hatten noch keines unserer Soundprobleme aus dem Weg geräumt.

Unser Opener war Agony & Fear, wir spielten die eigentlich 9 minütige Nummer in einer abgewandelten 4 Minuten instrumental Version. An diesen Track konnte man nichts verkehrt machen, keine ständigen Tempiwechsel, keine ungeraden Takte, keine Wechsel von binäre auf tenäre und so lief der Song trotz der Katastrophalen Monitorbedingungen ganz gut durch. Doch dann kam Lost In Dream und damit kamen auch die Apokalyptischen Reiter zu Besuch. Beim übernächsten Track mußte ich sogar für ein paar Sekunden aufhören zu spielen, ich konnte ein Groove Pattern meines Sampling Pads nicht hören und hatte dadurch im Song keine Orientierung mehr.

Marco konnte seinen eigenen Gesang nicht hören und von seiner Gitarre hörte er nur das, was aus seiner eigenen Box kam. Das ist grundsätzlich bei Konzerten nicht gut. Bei Martin war es nicht viel besser. Im Publikum machten sich die ersten auf den Weg an die Theke. Kein gutes Zeichen. Nach 45 Minuten hatten wir uns selber erlöst. Ohne ein einziges Tor, nach der Vorrunde raus. Wann hatte es das jemals gegeben.

Im Backstagebereich war Helmut Hattler gerade damit beschäftigt, mit einem Haps das komplette Catering zu vertilgen. Was muss der bloß über uns gedacht haben.

Martin hatte einige, wie er es gerne nennt, Leibeigene angeheuert, die unser gesamtes Equipment in wenigen Minuten in die bereit stehenden Monstertrucks verstauten. Mit den noch verbliebenen Freunden, saßen wir dann  bis in die frühen Morgenstunden zusammen und kippten uns die Glumse voll, bis nichts mehr rein ging. Man glaubt gar nicht, wie schnell man dann wieder anfängt die nächsten musikalischen Pläne zu schmieden.

Zur Zeit arbeiten wir an einer neuen Studioproduktion und wenn alles gut läuft, soll daraus eventuell eine neue Sleep Dirt CD entstehen.

Cheers                         FRANK KONDITT

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